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   Du sagst, der Baum trägt Früchte. Wir haben keinen Schlüssel für den Garten auf dem Dach. Wein rankt an den Ziegeln, wurzellos und grau. Diese Welt hat zwei Gesichter. Das Parkhaus sah ich, endlos Spur, das Autobahnkreuz und benannte Wege. Nun steht vieles still.


   Am Altmarkt sieht es aus, als wäre Alter möglich und am Neumarkt warten hell die Automaten. Noch die Dauer zählt nach Umsatz wo ich lebe. Ohne Zutun spielt Musik, der Tanz ist endlos und feierlich heißt die Fron der Feiertage.


   Aus Nächten wuchs der ewige Tag - Sonne flammt, gebannt aufs Plakat. Verbissen übt das Girl Spagat - ergeben dem Segen, hat mutlos gewagt.


   Bei der Kasse liegt ein Stapel "Rilkes Kochbuch für den Seelenschmaus" und ab halb sechs mimt Hölderlin den Irren in der Talkshow. Ausgeliefert binnen 24 Stunden geht manch Dichter um auf tanzgetrimmten Beinen. Frei kam Hilbig, im Kaufhaus blieb ihm das Herz stehn. Mein Heldenkabinett! Nur der Flüchtling Rimbaud gab für seinen Sinn die Hand, verkaufte in Afrika Flinten.


   Das Knie ist ihm verfault.


   Oben ist es länger hell, im Abendrot erscheint die Spur des Jets. Ich seh den Flug und höre nichts. Der Schatten des Zitronenbaums verfällt gemalt. Tauben führen tags das Regiment und machen später Platz für Fledermäuse. Unten wird die Überlieferung verladen. Vom Balkon aus, über Tiefen abgepackten Mülls ermüdet, nährst Du mir die Sage von den Schwalben.

1998 - 2014 © Ingo Schramm