Opfer


   Sommers schneit es, wenn die Pappel blüht. Die Flocken sät der Wind. In diesem schweren Jahr fällt zu viel Regen, nichts kommt dabei raus. Gott mag sein das Wort und was beim Küssen wird und wenn die Hände sich an Händen halten. Allein ist Gott ein Nichts und hungert.


   Eine Stunde gibts, von keiner Uhr gezählt, die Vögel der Nacht werden stumm und die des Tags warten auf den frühen Einsatz. Im Abfall stochert der Rabe, zählt die kalten Hotdogs. Rings geht Prometheus um, schüttelt Ketten aus Second-Hand-Klamotten seine Kleiderspender müssens nicht hören. Ihrs haben sie getan und schlafen den Tod der Gerechten.


   Der Gott geht um, Mensch geworden und von Menschen degradiert, ein Abendbild der frohen Comics. "Die Ketten des Zeus fielen ab, doch diese Lumpen haften, dagegen fehlt mir Macht." Ach, Prometheus, du Vorbedenker...


   Lautlos schaut er in die Tonnen, dieser Nacht niemals entronnen. Kleine Brötchen schimmeln im Müll, weil sie keiner mehr essen will, das große Brot zum Tod der Not ist noch nicht gebacken. "Ewig, ewig zu früh!"


   Beim Straßenfest verdient er sich paar Mark. Freundlich glotzt das Publikum, solange nichts geschieht. Dann legt der Clown das Lachen ab, zeigt seinen nackten Schmerz. Oben jagt der Rabe den Adler. Dieser Clown verwirft den Schmerz und nackt ruft das Entsetzen nach der Polizei. Oben jagt der Rabe den Adler.

1998 - 2014 © Ingo Schramm