Jenseits


   Wieder hat der Wetterbericht getrogen. Aufs Dach stieg ich, kein Horizont erstreckt sich mir. Noch einmal hat der Vater mich belogen. Von hier kann ich nicht fliegen, verstellt ist mir der grade Weg zu Dir.


   Aus der Tasche zog ich einen Spiegel. Ich sah mich darin nicht. Ein Nicht sah ich, den März, den Schattenigel. Vier Lichter blinkten blendend in die Helle. Aus rotem Wasser stieg ein Pferd und band mich los.


   Wir zogen. Eben war die Stadt und Hausgiganten schritten hinter uns mit Windesmacht. Das Territorium bleibt unermesslich. Nirgends Horizont, ein Bezirk folgt auf den andern. Das Moped bäumt sich auf am Schlagbaum zum Fabrikgebiet, der Wachschutzmann will keine Quittung geben.


   Als Gott noch Ich rief, war die Welt ein Ball. Jetzt nenn ich ihn mit Deinem Namen, sieh, woher wir kamen, jenes All zerbirst mit lautem Knall. Strahlen streben stolz und stark. Gott wird Feuer, Gott war Luft, blieb nasser Lehm. Deine Hände, deine Füße geben schreitend, liebend Zehn.


   Gestern brach die Skyline durch. Regen fiel aus Sonnennacht. Heute atmet Flieder Licht. Weiße Heimat...


   Aus dem Spiegel trittst Du mit dem braunen Auge. Er ist tot, es lebt mein Glaube. Ohne Grund stimm ich nun zu.

1998 - 2014 © Ingo Schramm