Aufblick

Landschaften von Claudia Mitzinneck


   Gib das Aufgeben nicht auf. Deine Wege sind gefährlich, so ganz frei von der Gefahr. Tausend Stimmen Grün reden ihr Gerede, noch das Wasser fließt recht träge, heiter wo du stehenbleibst um auszuharren.


   Die Ebene ist aufgeteilt. Hier die Allee und dort die Hecke. Ausgemessen sind die Winkel und bemessen ist, was sich erhebt. Der Bach, wenn er Wasser führt, kommt aus den Bergen. Seine Farbe ist es, die den weißen Himmel rückwärts sucht.


   Hätte Kunst die Macht eine Straße zu verlegen, wären Fern und Nah die eine Welt. Keine Macht hat Kunst, sie kann. Was vom Können übrigbleibt, das was getan ist, weiß die weiße, rote Stadt im tiefen Blau hinterm Berg, auf dem in Sand das Glashaus jedes Eigenbrötlers wartet.


   Gib nicht auf, nimm der Gefahr die Flucht.


   Diese Welt bleibt flach und noch ihr Hintergrund wird vordergründig. Im Himmel oben bricht kein Wort sich Bahn. Wolken öffnen eine Furt. Ob das Licht nun strahlt oder ob es ausgespien wird oder ob es einfach Licht ist, acht Minuten alt von einem Stern, der uns die Welt zentriert - vor dem Haus, am weißen Giebel rücke ich die Futtertonne aus dem Schatten des Holunders. Meine Katze schnauzt und wenn ich's recht verstehe, gehe ich und winke deinem Blick.

1998 - 2014 © Ingo Schramm