Schön oder Nichtschön


   Die goldgefärbten Türklinken der Gästepaläste in Händen kam ich weit herum durch neuer Städte Rausch. Wild gestutzter Flieder stand in Vasen und aus Badezimmerlüftern wurde Schächtehauch geblasen. Der Fernseher zappte mich durch, vom Flur her klang das Kichern Weitgereister. Keine Heimat bläute meine Hemden. Mit dem Zimmertelefon in ernsthaftem Disput lag ich langgestreckt auf hellen Betten. Wie ein Wortvertreter, der statt eines Koffers dicke Bücher in die Ecke stellt, pfiff ich auf die Kunden und berechnete mein Geld.


   Halb im Schlaf halb träumend hab ich manchen Sinn gefunden, nur für mich und ungeteilt, hörte wie zwei Häuser weiter ungebunden Mann und Frau sich sinnlos stritten ums Patent auf Sinnlichkeit.


   Ehedem ging ich an Versen schwanger. Später mir die Liebste um mein Kind. Erst wollt ich das eine ganz und dann das andre, fragend, sinnend, so gefährlich blind.


   Schön oder Nichtschön, das ist kein Problem. Aus dem Bauch für sich wie aus dem Sinn kommt nur spärlicher Gewinn. Ob am Fenster Regentränen rinnen oder hinterm Trafo Sonnenfeuer brummt, alles das bleibt jenseitsfernes Raunen, trifft es nicht auf erdenschwere Launen.


   Wer zu langsam fährt wird überholt, doch wer läuft kommt auch zum Ziel. Manch ein Weg ist nah und weit. Stelle nimmer immer nur die falschen Fragen, wenn das Richtige sich tun und sagen lässt zur freien Zeit.

1998 - 2014 © Ingo Schramm