Unter Ulmen und Ursa Major

Dem Du im U


   Die Wahrheit ist, ich hörte den Dom an Karneval. Blaue Haare wurden gespiegelt von den Fenstern der Küchen, Gesichtern, den Fenstern des Markts, vom Himmel, der kein Fenster ist. Mein Haar spiegelt Blau und die braunen Augen gehen über, Augen der Welt, die ich sehe mit den Augen, die mir geschenkt sind und doch nicht gehören. Aus den Epochen der Kälte liegen Eiswürfel im Magen und seit den Sommern der verschärften Träume weiß ich, was ein Korb Kirschen wert ist. In Staub sah ich die Wagen der Stadtreinigung gehüllt, brannte über den Gläsern voll Bier als Nubbel, der auf die Blumen pisst. Die Schöne gebiert nicht der Schaum. Alte Flüsse trugen Schaum und an Wehren türmte er grau. Sterbliches zeugt die Schönheit, wo kein Sterblicher sie bezeugt. Das Messer glitt aus der Hand in die Hand und Blut füllte die Schalen, mit denen ich Regen fing. Aus den Netzen zuckten Blitze, mein Herz war durchstoßen vom Draht, der die Sprache band und sie henkte. Ewig thront der Engel allein.


   Zum Mörder bin ich geworden. Das Wort liegt im Dreck und stirbt. Vergebt mir, Götter, ich kam abhanden. An den Fingern klebt mir das schwarze Gallert der Maschinen. Augen glühen in all den Farben, die ihr nicht erlaubt. Aus den Wunden der Hand wuchs mein Hammer; wie ein Zimmermann, der sich vertan hat, zog ich die Nägel und ging.


   Das Blau kennt mich noch, es vergisst nicht. Die hurende Bläue beim ewigen, ewigen Dunkel.


   Was wir ertragen ist schön, schrecklich erst heißt die Erfahrung. Unter Ulmen höre ich vom Gesang. Der Bär floh den Winter. Am Rinnstein, vor lauter Verblüffung, wie schön seine Stimme klingt, sieht er die Lachse nicht springen, denen ich zustimme nach dem Recht.

1998 - 2014 © Ingo Schramm