Schere


   Mit beiden Beinen stand ich auf der Welt, links, rechts, mittendrin war Ozean, der pisswarm tobte. Aus der Tiefe quoll das Liederirr. Die Stirn war wund von Satelliten, Blut floss durch den Schnee Alaskas und den Schnee Jakutiens. Der Schnee war groß und mein Geburtstag fiel auf einen Festtag für die Generäle. Kalt, seit Anfang alt, hab ich gelebt im Sterben und verbrannte mir die Finger an den Fahnen.


   Kontinente driften. Ihr Knirschen übertönt den Sphärenklang. Sonne ist, was keinen Namen braucht. Die Drift geht weit, mir reißts die Glieder auseinander wo eins sich übers erste schiebt. Damiens geviertelt auf dem Place de Gréve. Zu wenig hab ich Könige auf dem Gewissen.


   Die Schere schnitt mein Herz entzwei. Ich hab sie selbst geführt, ein Schneidermeister, der im feinsten Zwirn das Weiheband zerteilte. Getauft hab ich das Schiff mit Schampus aus dem Norden. ``Geh, fahr, mein Kapitän, Gefahr blinkt vor der Zeit auf dem Radar! Den Eisberg schmolz das Sorgenlos!''


   Verschleudert zieh ich meine Hand zurück vom Zeitungsfeuer. Das Kind in mir schrieb seinen Namen ein, im Schnee steht er mit gelber Schrift. Mein Stift hat weiter nichts gezeugt. Weh und wach! Ach, hätt ich einen Gott, der mich zum Mann erklärt -

1998 - 2014 © Ingo Schramm